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09.06.2026
ISOS-Direktanwendung: pragmatische Lösung
EspaceSuisse begrüsst in seiner Stellungnahme die geplanten Änderungen bei der Anwendung des ISOS. Die Revision ist eine pragmatische Lösung und erleichtert die Handhabung des Bundesinventars.
Neu soll die Direktanwendung des ISOS nur noch in Fällen gelten, die eine unmittelbare Auswirkung auf das Ortsbild haben. Im Bild: La Chaux-de-fonds NE.
(Quelle: Barbara Jud EspaceSuisse)
Vorab dies: Geschützte Ortsbilder sind nicht als Entwicklungshemmnis zu verstehen, sondern als integraler Bestandteil einer qualitätsvollen Innenentwicklung.
Im Sinne einer pragmatischen Lösung der kontroversen Diskussion um die sogenannte Direktanwendung des ISOS (siehe Kasten unten) unterstützt EspaceSuisse die vom Bundesrat vorgeschlagenen Anpassungen der VISOS und der RPV.
Neu soll die Direktanwendung nur noch in Fällen gelten, die eine unmittelbare Auswirkung auf das Ortsbild haben. Das Ziel: die Förderung der Innenentwicklung. Die Anpassung ist eine «zielgerichtete und konstruktive Präzisierung für eine praxistaugliche Umsetzung», wie EspaceSuisse in der Stellungnahme zur entsprechenden Vernehmlassung schreibt.
EspaceSuisse macht allerdings auch darauf aufmerksam, dass die Herausforderungen der vergangenen Jahre oft darin lagen, dass der Ortsbildschutz bzw. das ISOS verspätet oder unzureichend in die raumplanerischen Entscheidungsprozesse eingebettet wurde. Die Schweizer Raumplanung verfügt mit der Interessenabwägung eine bewährte Methode, um Nutz- und Schutzinteressen in Einklang zu bringen.
Die eigentliche Herausforderung sieht EspaceSuisse darin, bestehende raumplanerische Instrumente und vorhandenes Wissen konsequent in die Planungspraxis zu bringen.
Das ISOS listet Ortschaften mit grossem historischen städtebaulichem und architektonischen Wert auf. Damit trägt es massgeblich dazu bei, dass diese Werte zu einer qualitätsvollen Innenentwicklung beziehungsweise Verdichtung führen. Kantone und Gemeinden müssen das ISOS berücksichtigen, es ist eine der Grundlagen für die Interessenabwägung. Wenn bei einem Projekt aber eine Bundesaufgabe betroffen ist und der Eingriff schwer ist, erfolgt die sogenannte Direktanwendung des ISOS. Dabei sind die Hürden für eine Bewilligung höher, die Behandlungszeiten entsprechend länger. Mit der vorliegenden Revision wird der Umfang der Direktanwendung eingeschränkt.
Wer bei einem Bauprojekt alle Interessen berücksichtigt, senkt das Risiko für Einsprachen und erhöht seine Erfolgschancen. Eine sorgfältige Interessenabwägung hilft, Handlungsspielräume zu nutzen und optimale Lösungen zu finden – was wiederum die Verfahren beschleunigt. Anfang September 2025 ist die Arbeitshilfe «Interessenabwägung für eine qualitätsvolle Innenentwicklung» erschienen, die EspaceSuisse im Auftrag des BWO im Rahmen des Aktionsplans Wohnungsknappheit erarbeitet hat.