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Wer entscheidet, was aus der Landschaft wird?
Am 5. Landschaftskongress in Davos trafen sich Fachleute aus verschiedenen Disziplinen, um die Landschaft und deren Gestaltung zu diskutieren. EspaceSuisse brachte die raumplanerische Interessenabwägung ein — am Fall der geplanten Umfahrung von Sta. Maria im Val Müstair.
Durchgangstrasse in Sta. Maria im Val Müstair.
(Quelle: Damjan Jerjen EspaceSuisse)
Der Kongress vom 2. bis 4. September stand unter dem Thema «Landschaft und regionale Identität im Spannungsfeld von Berg und Tal, Stadt und Land». Der Tagungsort Davos GR selbst ist dafür ein Lehrstück: Kurort, Alpenstadt, Tourismusdestination, Forschungsplatz – alles auf eingem Raum.
Das Programm, heuer organisiert von der WSL, war dicht und anspruchsvoll mit Parallelsessions, Marktplatz und Exkursionen. Wertvoll war auch, was dazwischen geschah: der Austausch unter den Teilnehmenden. Landschaft und Raumplanung reden zu selten miteinander. In Davos taten sie es.
«Die Beurteilung von Massnahmen in der Landschaft erfordert nicht nur wissenschaftliche, sondern auch gestalterische Kompetenz in den Fachstellen.»
Rita Illien, Landschaftsarchitektin
Das Exkursionsprogramm reichte von der Rutschung in Brienz/Brinzauls BE über das Welterbe Albulalinie GR und die Klanglandschaft Davos bis zur Promenadologie nach Lucius Burckhardt.
Eine Exkursion führte auf die Baustelle des Solarkraftwerks Madrisa auf rund 2000 Metern oberhalb Klosters. Dort entsteht derzeit die erste alpine Solaranlage der Schweiz. Sie soll über 40 Prozent ihres Stroms im Winterhalbjahr liefern — genau dann, wenn die Schweiz ihn am dringendsten braucht. Rahel Marti, Co-Geschäftsführerin der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, führte über das Gelände, zusammen mit Vertreterinnen und Vertretern aus den Bereichen Planung, Umweltbaubegleitung, der Gemeinde und der Bauherrschaft.
- Bauherrin: Madrisa Solar AG — Gemeinde Klosters, EKZ und Repower
- Bauzeit: Frühjahr 2025 bis Herbst 2027, in Etappen
- Leistung: 12 MW, Jahresproduktion rund 17 GWh
- Winterstrom (Oktober bis März): über 40 Prozent der Jahresproduktion
- 20‘000 bifaziale Module auf rund 3170 Solartischen
- Perimeter: 150‘000 m²
Der Strom fliesst an EKZ-Kundschaft und direkt an die Klosters-Madrisa Bergbahnen.
Für mehr Infos: Madrisa Solar
Der geplante Umfahrungstunnel von Sta. Maria.
Wie lassen sich Siedlung und Infrastruktur planen, wenn die Landschaft mitberücksichtigt wird? Damian Jerjen, Direktor von EspaceSuisse, zeigte es am Beispiel der geplanten Umfahrung von Sta. Maria im bündnerischen Val Müstair. Das entscheidende Element: eine frühzeitige, umfassende Interessenabwägung geplant.
«Vom Kontrollieren zum Dirigieren. Vom Entwässern zum Bewässern.»
Martina Voser, Professorin für Landschaftsarchitektur am Departement Architektur der ETH Zürich
Dieser Satz fasst zusammen, was in Davos mehrfach anklang: Landschaft lässt sich nicht verwalten, sie will gestaltet werden. Das gilt für die Solaranlage am Berg ebenso wie für die Strasse durch das Dorf.
Wer entscheidet also, was aus der Landschaft wird? Nicht nur die Behörden — sondern alle, die ihre Interessen rechtzeitig, fundiert und konstruktiv einbringen.