EspaceSuisse

Inforaum — das Magazin für Raumentwicklung

|

Noch 89 Tage verfügbar. Mitglied werden

Erfolgreiche Bilanz zum Impuls Innenentwicklung

EspaceSuisse hat Gemeinden und Städte während zehn Jahren bei der anspruchsvollen Innenentwicklung praxisnah unterstützt. Mit über 140 Beratungen und 300 Ausbildungstagen zieht EspaceSuisse eine positive Bilanz – und zeigt auf, wo die künftigen Hürden in den Gemeinden und Quartieren liegen.

#

Impuls Innenentwicklung und RPG 1

Das Schweizer Stimmvolk hat sich 2013 deutlich für das revidierte Raumplanungsgesetz (RPG) ausgesprochen. Die erste Etappe (RPG 1) trat am 1. Mai 2014 in Kraft und verlangt, dass sich die Gemeinden und Städte nach innen entwickeln, statt ihre Bauzonen weiter auszudehnen. 

Die Siedlungsentwicklung nach innen ist komplex. Die eidgenössischen Räte beschlossen deshalb 2016 den Impuls Innenentwicklung, ein Unterstützungspaket mit Beratung, guten Beispielen und Weiterbildung. EspaceSuisse erhielt den entsprechenden Leistungsauftrag.  

Der Impuls – zuerst auf fünf Jahre (2016–2020) ausgelegt und später um fünf Jahre verlängert – wurde von UVEK, BPUK, SGV, SSV und EspaceSuisse unterstützt. 

Bis Mitte Oktober läuft die öffentliche Ausschreibung für ein neues, deutlich reduziertes Unterstützungspaket «Impact» ab 2027. EspaceSuisse hat sich ebenfalls beworben. 

Die Unterstützung in Zahlen  #

Die Zahlen verdeutlichen die Reichweite des Angebots, das EspaceSuisse – auch dank dem Impuls – aufgebaut hat, um die geforderten Gemeinden und Städte zu unterstützen: 

  • 145 massgeschneiderte Beratungen: Erstgespräch, Beratung vor Ort, Stadt-/Ortsanalyse, Nutzungsstrategie, Dorfgespräch, Gassenclub. 
  • 40 partizipative Prozesse: Die lokale Bevölkerung wurde direkt in die Planung miteinbezogen. 
  • 10 regionale Trägerschaften: Zusammen mit 80 Facharchitektinnen und -architekten führten sie Haus-Analysen durch. 
  • Pool von 20 externen Expertinnen und Experten: Sie ergänzen das EspaceSuisse-Team Siedlungsberatung. 
  • Über 100 Best-Practice-Beispiele: online nach Stichworten abrufbar auf densipedia.ch, der Plattform für Innenentwicklung und Verdichtung. 
  • 300 Ausbildungstage: darunter 55 Seminare und Tagungen sowie 85 dreitägige Einführungskurse in die Raumplanung für lokale Entscheidungsträger. 

Die Nachfrage verteilte sich über alle Landesteile: Hauptabnehmer der Beratungsangebote waren kleine und mittlere urbane Gemeinden sowie Agglomerationsgemeinden. Insbesondere Erstgespräche (26 %), Beratungen vor Ort (24 %) sowie Stadt-/Ortsanalysen (22 %) stiessen auf grosses Interesse. 

Lausanne: Aus einem einstigen Busdepot wird ein Quartier mit Zentrumsfunktion.

(Quelle:Sonja Veckmanns)

Was die Innenentwicklung fördert – und was sie bremst  #

Die Bilanz macht deutlich: Die Verdichtung funktioniert, erfordert jedoch die passenden Rahmenbedingungen und Instrumente. Als zentrale Erfolgsfaktoren haben sich unkomplizierte Erstkontakte, eine verständliche Sprache sowie die Kenntnis kantonaler Rechtsverfahren erwiesen. Besonders geschätzt wurde auch die neutrale Aussensicht, die EspaceSuisse bieten kann – vor allem auch bei einer verzwickten Ausgangslage. 

Gleichzeitig offenbarten sich in der Praxis Hürden: Fehlender politischer Wille, starre Rechtsrahmen, die (Über-)Dimensionierung von Bauzonen oder unzureichende Mitwirkungsverfahren erschweren die Umsetzung. Die Akzeptanz in der Bevölkerung für Innenentwicklungsprojekte sinkt zudem rasch, wenn die Qualität der Freiräume in der Gemeinde nicht stimmt.  

Neue Risiken im Blickfeld  #

Der Blick in die Praxis zeigt, dass der Beratungsbedarf unverändert hoch bleibt. Raumplanerinnen und Raumplaner sowie verwandte Disziplinen stehen vor komplexen Herausforderungen: 

  1. Banalisierung und Qualitätsverlust: Die lokale Baukultur wird ignoriert, was zu Identitätsverlust und Vorbehalten führt («hässliche Schweiz», «Dichtestress»). 
  2. NIMBY und Frustration: Wenn die Grünflächen von Baulücken planlos verschwinden, wächst der Widerstand. Alibi-Mitwirkungen erzeugen Misstrauen. 
  3. Soziale Verdrängung: Verdichtung in Kombination mit strengen Energievorgaben kann zur Gentrifizierung und zum Verlust der sozialen Durchmischung führen. 
  4. Silo-Denken im Ingenieurwesen: Nach wie vor werden Strassensanierungen oder Gewässerrenaturierungen zu oft isoliert angegangen, anstatt mit der Raumentwicklung koordiniert. 
  5. Strukturelle Probleme in den Gemeinden: Gute Raumplanung kostet, was vor allem für kleine Gemeinden mit geringem Budget schwierig ist. Hürden für die Innenentwicklung sind zudem fehlende Fachkompetenz sowie Uneinigkeit innerhalb der Gemeindeexekutive. 
#

Wo früher täglich 5000 Autos durch die Kirchgasse in Olten drängten…

(Quelle:Alina Sutter EspaceSuisse)

lädt heute eine autofreie Flanierstrasse zum Verweilen ein.

(Quelle:Tom Steiner)

Fazit – Was ist zu tun?  #

Der Impuls Innenentwicklung hat in den letzten zehn Jahren entscheidend dazu beigetragen, die gebotene Verdichtung als zentralen Handlungsbereich bei Gemeinden, Städten und Kantonen zu verankern.  

Die Aufgaben werden allerdings nicht einfacher: Themen wie Anpassung an den Klimawandel, Ortsbildschutz (ISOS), Wohnungsbau sowie die Aufwertung des öffentlichen Raums fordern die Gemeinden und Städte auch künftig heraus. EspaceSuisse wird sie als nationaler Verband für Raumplanung weiterhin bei ihrer Arbeit für qualitätsvolle Lebensräume unterstützen.