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Innenentwicklung braucht Dialog

Die Fachleute aus den Gemeinden, der Planung und Bauwirtschaft waren sich am Kongress von EspaceSuisse einig: Die frühe Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure ist entscheidend, um den Wohnungsbau erfolgreich vorwärtszutreiben.

Im Fokus Innenentwicklung Bundesplanung Wohnen

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Der Präsident startete launig und pointiert in den Jahreskongress von EspaceSuisse vom 25. Juni. Jean-François Steiert bedankte sich bei den zahlreich angereisten Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Gemeinden, Kantonen und Bund, aus Planungsbüros sowie Bau- und Immobilienunternehmen, dass sie sich an diesem heissen Sommertag für ein «heisses Thema interessieren, das noch mehr Wärme ausstrahlt – die Raumplanung».

Der Druck, Wohnungen zu bauen, rechtfertigt keine schnellen Lösungen auf Kosten der Qualität.

Jean-François Steiert, Präsident EspaceSuisse

In der Tat werden die Wohnungsknappheit und deren Lösung heiss diskutiert – so heiss, dass zuweilen mit dem Zweihänder auf die Raumplanung oder RPG 1 losgegangen wird. «Der Druck, Wohnungen zu bauen, rechtfertigt keine schnellen Lösungen auf Kosten der Qualität», machte Steiert klar.

Bilanz «Impuls Innenentwicklung» #

Die Beratungstätigkeit von EspaceSuisse in den Gemeinden bestätigt dies. «Es gibt Widerstand gegen die Verdichtung, weil dabei viel Qualität verloren gegangen ist», bilanzierte Alain Beuret vom Team Siedlungsberatung die Erfahrungen aus zehn Jahren «Impuls Innenentwicklung». Bestehendes werde zerstört, Leute verdrängt, eine Alibi-Mitwirkung führe zu Frustration und Misstrauen. Als Gegenbeweis, dass es auch anders geht, präsentierte er verschiedene Beispiele von Gemeinden, die sich – der Komplexität zum Trotz – erfolgreich an ihre Innenentwicklung wagten.

Alain Beuret vom Team Siedlungsberatung EspaceSuisse präsentierte eine Bilanz zum «Impuls Innenentwicklung».

(Quelle: Patrik Kummer EspaceSuisse)

Insgesamt hat EspaceSuisse in den letzten zehn Jahren knapp 150 Gemeinden in der ganzen Schweiz beraten, vom Dorfgespräch bis zur Stadtanalyse.

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Partnerschaftliche Zusammenarbeit #

Vertrauen war denn auch ein wichtiges Stichwort im Referat von Cristina Schaffner, Direktorin von Bauenschweiz. «Holen Sie uns früh ins Boot», appellierte sie, «das schafft Vertrauen in den Prozess.» Die Bauwirtschaft sei bereit für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit. Eine grosse Chance sieht Schaffner insbesondere im sogenannten Zwei-Phasen-Modell für das Baubewilligungsverfahren: Dabei werden bei einem Projekt nicht alle Themen gleichzeitig geklärt, sondern gewisse Fragen früher (Grundsätzliches), andere erst später (z. B. Brandschutz).

Spielraum nutzen #

Melanie Lienhard hatte als Vorstandsmitglied des FSU den ehrgeizigen Auftrag aufzuzeigen, was die Planung leisten kann. Sie beschrieb die Raumplanung als gesellschaftlichen Aushandlungsprozess zwischen den Akteurinnen und Akteuren. Dabei sollten Normen und Vorschriften überprüft werden, aber «wir sollten auch den vorhandenen Spielraum nutzen – nicht ausnutzen, aber stärker nutzen». Das bedinge allerdings Fachkompetenz.

Podium rund um den Dialog #

Letzter Teil des Vormittagsprogramms war ein Podiumsgespräch, das auf die Zusammenarbeit und den Dialog fokussierte.

  • Wie schaffen wir es, dass alle an einem Strang ziehen?
  • Wie arbeiten wir besser zusammen?
  • Wie kommen wir zu einem gemeinsamen Verständnis?

Thomas Frutiger, Chantal Weidmann Yenny, Monika Zumbrunn (Moderation), Barbara Wittmer und Roman Mayer.

(Quelle: Patrik Kummer EspaceSuisse)

Gleich zu Beginn überraschte Thomas Frutiger, Co-Verwaltungsratspräsident der Frutiger Gruppe und Vorstandsmitglied von Entwicklung Schweiz, mit einer Aussage zur Qualität beim Wohnungsbau: «Das ist ein Problem, und das können wir besser.» Die Akteure müssten früh zusammensitzen, das Wirtschaftliche miteinbeziehen und über die einzelne Parzelle hinausdenken. «Qualität ist nicht unbedingt teurer.» Barbara Wittmer, Vorstandsmitglied des SIA, schloss sich dem an: «Wir müssen das Silodenken und Vorurteile überwinden.» Auf die Frage, ob der Bund für eine bessere Qualität in der Innenentwicklung nicht doch Vorschriften machen müsste, verneinte ARE-Direktor Roman Mayer dezidiert: «Das ist nicht Aufgabe des Bundes, sondern der Kantone und Gemeinden». Chantal Weidmann Yenny, Gemeindepräsidentin von Savigny VD und Vorstandsmitglied des Schweizerischen Gemeindeverbandes, erinnerte daran, dass die Bedürfnisse der Bevölkerung sehr unterschiedlich seien, und wünschte sich mehr Spielraum für die Gemeinden.

Der Dialog macht den Unterschied.

Die weitere Diskussion auf dem Podium bestätigte: Entscheidend für erfolgreiche Projekte in der Innenentwicklung im Allgemeinen oder im Wohnungsbau im Speziellen ist die frühe Zusammenarbeit, seien es Kickoff-Sitzungen, Planungsvereinbarungen oder ähnliche Gefässe. Dort werden grundsätzliche Fragen geklärt, Ziele vereinbart und Kompromisse ausgelotet. Der Dialog also macht den Unterschied – zusammen mit der Interessenabwägung.

«Open Space» in Kleingruppen #

Am Nachmittag blieb Zeit für die Diskussion in kleinen Gruppen. 21 Tische mit je einem Thema – generiert aus dem Kongresspublikum – standen zur Verfügung. Da ging es beispielsweise um die Mobilitätskonzepte in der Raumplanung oder um die Frage, warum Eigentümer die mögliche Mehrausnutzung oftmals nicht nutzen. Und auch bei diesem «Open Space» beschäftigte die Frage des Dialogs. So diskutierte ein Tisch die Möglichkeiten, die Politik frühzeitig und verbindlich einzubinden.

Die  «Open Space»-Diskussionen fanden mit Themen aus dem Publikum an 21 Tischen statt. Cristina Schaffner von Bauenschweiz (2.v.l.) leitete eine Diskussionsrunde.

(Quelle: Patrik Kummer EspaceSuisse)

Damian Jerjen (2.v.l) und Christa Perregaux von EspaceSuisse diskutieren unter anderem mit Raumplanungsexperte Ruedi Muggli (2.v.r.).

(Quelle: Patrik Kummer EspaceSuisse)

Thomas Frutiger (Mitte) von der Frutiger Gruppe im Dialog mit Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

(Quelle: Patrik Kummer EspaceSuisse)

Damian Jerjen und Christa Perregaux von EspaceSuisse.

(Quelle: Patrik Kummer EspaceSuisse)

Den Schluss machten Christa Perregaux und Damian Jerjen, stellvertretende Direktorin und Direktor von EspaceSuisse. Sie nahmen die Kongressteilnehmerinnen und -teilnehmer mit auf eine Zeitreise. Mit sieben Denkanstössen skizierten sie eine erfolgreiche Innenentwicklung im Jahr 2032.

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Sieben Denkanstösse

  1. Qualität definieren – bevor gebaut wird
  2. Beschleunigung durch Klarheit – nicht durch Abkürzungen
  3. Mehr Wohnraum? Ja – aber zuerst im Bestand
  4. Regeln überprüfen und entrümpeln – aber nicht blind deregulieren
  5. Konflikte strukturieren – nicht aussitzen
  6. Innenentwicklung steuern – nicht dem Zufall überlassen
  7. Frühe Kooperation ist die günstigste Investition

Innenentwicklung werde gelingen, wenn wir beginnen, gemeinsam zu steuern, so das Fazit des EspaceSuisse-Direktoriums. Die Instrumente seien vorhanden, das Wissen auch. «Was fehlt, ist der gemeinsame Wille, Reibungspunkte anzugehen, Regeln zu überprüfen und früh zusammenzuarbeiten», schloss Damian Jerjen den Kongress und nahm damit die drei wichtigsten Erkenntnisse und Diskussionspunkte gleichermassen nochmals auf.

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