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Nach der Charmeoffensive die Mutoffensive

Schnell wird die Raumplanung zum Sündenbock gemacht, als wäre sie allein verantwortlich für die stockende Wohnraumentwicklung, für Zielkonflikte oder für die Widersprüche politischer Entscheide. Doch diese Kritik greift zu kurz.

Meinung Innenentwicklung Siedlungsqualität

Als ich vor 18 Jahren an der ETH Zürich Raumplanung studierte, meinte Peter Keller, der damalige Studienleiter, vor der Ernennung von Maria Lezzi zur Direktorin des Bundesamtes für Raumentwicklung (ARE): «Jetzt braucht es eine Charmeoffensive in der Schweizer Raumplanung!» 

Maria Lezzi ist dieser Forderung mehr als gerecht geworden. Mit klarem Kompass, ruhiger Hand und grossem Fachwissen hat sie dem Raum eine Stimme und ein Gesicht gegeben. Dafür gebührt ihr grosser Dank.

Raumplanung muss Spielräume vor Ort ermöglichen.

Heute steht die Raumplanung mehr denn je im Zentrum der Debatte – allerdings selten im besten Licht. Die Verfahren seien zu langsam, die Regeln zu starr, die Instrumente zu schwerfällig, so der Tenor – auch in den sozialen Medien und Kommentarspalten. Schnell wird die Raumplanung zum Sündenbock gemacht, als wäre sie allein verantwortlich für die stockende Wohnraumentwicklung, für Zielkonflikte oder für die Widersprüche politischer Entscheide. Doch diese Kritik greift zu kurz. 

Erstens, weil die Kritikerinnen und Kritiker übersehen, dass nicht die Raumplanung über Ambitionen und Interessengegensätze entscheidet, sondern die Gesellschaft selbst: durch politische Prozesse.

Zweitens, weil sie verkennen, wie unterschiedlich die Voraussetzungen in den Kantonen sind. In einem föderal strukturierten Land wie der Schweiz gibt es keine Standardlösung. Was in Zürich Sinn macht, kann in Sarnen an der Realität vorbeigehen. Raumplanung muss Spielräume vor Ort ermöglichen und keine pauschalen Patentrezepte verteilen.

(Quelle: Patrik Kummer EspaceSuisse)

Was es also braucht, ist weniger ein neuer Instrumentenkoffer, sondern eine neue Haltung: lösungsorientiert, ortsspezifisch und verantwortungsvoll.

Raumplanung ist ein Aushandlungsprozess. Nicht perfekt, nicht bequem – aber notwendig. Und: Sie ist nur so gut wie die Haltung derer, die sie gestalten.

EspaceSuisse bleibt Teil dieser Bewegung – mit klarem Kompass, fachlicher Tiefe und der Überzeugung: Nicht die Raumplanung muss neu erfunden werden, sondern der Mut, sie richtig anzuwenden.